Der Faustschild

Der rechts abgebildete Schild eines Schleuderers ist recht ungewöhnlich. Er ähnelt stark den Wikinger-Rundschilden aus dem FMA. Bei dem Reiter rechts ist ein sehr ähnlicher Schild zu sehen.
Dieser Typus Schild besitzt einen Durchmesser von etwas mehr Unterarmlänge. Lehnart beschreibt ihn in "Kleidung und Waffen der Hochgotik" als:

"[...]zweitens den kleinen runden Faustschild mit Schildbuckel, der auf Abbildungen [...] seit der Mitte des 13. Jahrhunderts auftaucht. Dieser maß zwischen 25 und 40 cm im Durchmesser und wurde während des Marsches mit seinem Handgriff über den Schwertgriff gehängt. Da er besonders leicht zu handhaben war, wurde er während des ganzen Mittelalters von den schwerttragenden Fußkämpfern als Schutzwaffe bevorzugt.[...]"

Er bezieht sich auf das Waffenbuch von Nickel und Abbildungen aus der Manesse.

Da ich von diesen Belegen noch nicht ganz überzeugt bin habe ich mir einen solchen Schild nachgebaut um Lehnarts Aussage zur Handhabbarkeit zu überprüfen.
Ferner suche ich noch weiter nach Quellen. Anfang des 14. Jahrhunderts tauchten Buckler (welche auch Faustschilde genannt wurden) auf, welche ganz aus Metall und nur etwa 20 cm groß waren. Ob Lehnart in Wirklichkeit diesen Schildtyp meinte und ob die Abbildung in der Kreuzfahrerbibel einen FMA-Rundschild darstellt, hoffe ich noch herauszufinden.

Zum Nachbau:
Mein Nachbau hat einen Durchmesser von etwas mehr als 40 cm und eine Wölbung nach Innen von 4 cm Tiefe. Da der Buckel auf der Abbildung keinerlei Rand zeigt, nehme ich an, daß dieser von hinten befestigt wurde. Meinen Buckel habe ich von hinten durch ein Loch nach vorne durchgeschoben und mit 8 schmiedeeisernen Nägeln angenietet. Vorder- und Rückseite des Schildes habe ich mit Leinen bespannt und den Rand mit Rohhaut verstärkt. Der als Griff dienende Holzsteg ist ebenfalls mit 2 Nägeln angenietet. Gewicht dieses Schildes ist 1,5 Kilogramm.

Erste Tests:
Nach meinen ersten Kampferfahrungen mit dem Schild möchte ich schon ein kleines Fazit geben. Lehnarts Meinung, daß sie sehr verbeitet waren, konnte ich noch nicht bestätigen, aber für normale Fußtruppen bietet der Schild zu wenig Deckung.
Allerdings ist er sehr nützlich für Truppen die beweglicher sein müssen: Späher, Schleudere, oder Ankerwerfer.
In Verbindung mit einer kleineren Waffe (Kurzschwert o. Sax), kann man sich gut damit verteidigen. Der kleine Schild bietet viele Möglichkeiten sich zu bewegen. Zum Parieren habe ich ihn eher weniger eingesetzt als zum Decken verschiedener Angriffschläge. Es ist mit dem kleinen Schild leichter möglich Angriffe über Links zu führen. Einen großen Verteidigungsnachteil konnte ich nicht feststellen.

Quelle:

  • Schleuderer aus: Kreuzfahrerbibel (digital-Bild auf Anfrage).
  • Reiter aus: The Life of St Denis, Frankreich ca. 1250.
  • Zitat: Lehnart: Kleidung und Waffen der Hochgotik, Karfunkel Verlag 1998. Seite 98
  • Bezug auf: Nickel: Waffenbuch. Seite 31